Stereogramme


Drei Dimensionen auf einem Blatt Papier festhalten - Was ist wirklich dran?

Mittlerweile kennt sie wohl jeder, die seltsamen Muster, welche für den Betrachter in die Welt der drei Dimensionen auf einem Blatt Papier festhalten. Aber gehören gerade Sie zu den Menschen, welche noch nie ein dreidimensionales Objekt in einem Stereogramm erkennen konnten? Will man Sie mit dem ganzen Zauber womöglich für dumm verkaufen? Die Frage nach der Echtheit der "Magischen Bilder" - wie sie oft genannt werden -

erscheint im ersten Moment durchaus berechtigt. Doch wer erst einmal in die Tiefe der Stereogramme hineinsehen konnte, kennt keine Zweifel mehr: Der Effekt ist weder auf magische Zusammenhänge noch auf die schlechte psychische Verfassung des Betrachters zurückzuführen. Objekte der unterschiedlichsten Art erscheinen in einwandfreier Schärfe und voller Tiefe. Man muss sich schon beherrschen, um nicht gleich ins Bild hineinzugreifen!


Bild 1:Bei normaler Betrachtung eines Bildes peilen beide Augen den selben Punkt auf dem Bild an.


Bild 2:Mit dem Parallelblick sehen die Augen zwei ähnliche Muster, welche vom Gehirn dreidimensional interpretiert werden.





Der richtige Blick für die dritte Dimension

Nicht jeder Mensch hat das Glück, Stereogramme zu sehen. Es gibt allerdings keine wissenschaftliche Erklärung für diese "Schwäche", es sei denn, es liege ein wirklich gravierender Sehfehler der betreffenden Person vor.

Bild 3: Er wird Mühe haben, ein Stereogramm zu erkennen. Für einen Stereoeffekt sind natürlich zwei funktionsfähige Augen eine Voraussetzung.

Selbst extreme Weit- oder Kurzsichtigkeit beeinträchtigen den 3D-Effekt in keiner Weise. Nur wer auf einem Auge sehr wenig oder gar nichts mehr sieht, hat keine Möglichkeit, den dreidimensionalen Eindruck eines Bildes zu erhalten. Trotzdem gibt es eine Anzahl von Personen, welche behaupten, nichts mit diesen Computermustern anfangen zu können. Oft fehlt es jedoch nur an Geduld und der zu investierenden Zeit. Auch die Wirkung des Effektes wird vermutlich zu nieder eingeschätzt. Alle, die sich schon auf einen "3D-Trip" begeben haben, beteuern jedoch, dass sich die Mühe auf jeden Fall lohnt. Je länger Sie für das Betrachten des ersten Bildes brauchen, desto besser sind vermutlich

Ihre Augen. Sie sind sich gewohnt, den Blickwinkel immer sofort auf die vor ihnen liegende Ebene einzustellen. Mit der Zeit werden die Augenmuskeln schwächer und sie reagieren langsamer. Solche Menschen haben mit dem Betrachten von Stereogrammen keine Probleme. Die Frage, ob das Betrachten von Stereogrammen nicht den Augen schaden könnte darf ganz klar mit "nein" beantwortet werden. Die Augenmuskeln lassen sich sogar gut auf diese Art trainieren. Vor allem wer viel am Bildschirm arbeitet, vernachlässigt die Fähigkeit seiner Augen, in die Ferne zu schauen. Das Betrachten eines Stereogrammes kann dann eine sehr angenehme, entpannende Wirkung haben.





Wie funktioniert ein Stereogramm?

Dank seiner zwei Augen ist der Mensch fähig, Objekte dreidimensional zu erkennen. Weil unsere Augen ca. 7cm voneinander entfernt sind, empfängt unser Gehirn zwei unterschiedliche Bilder von der Umgebung. Diese beiden Bilder werden zu einem dreidimensionalen Eindruck verschmolzen. Genau diesen Effekt nutzen Stereogramme aus. Weil man nicht an einem Platz zwei unterschiedliche Bilder unterbringen kann, werden die Bilder einfach seitlich

nebeneinander abgebildet. Wird nun mit dem rechten Auge das rechte Bild und mit dem linken Auge das linke Bild betrachtet, so kann die Fähigkeit des Gehirns ausgenutzt werden, zwei ähnliche 2D-Bilder zu einem 3D-Bild zusammenzuschmelzen. Solche Bilder können auch sehr einfach fotografisch erzeugt werden: Man fotografiert zweimal das gleiche Objekt oder die gleiche Landschaft mit unterschiedlichem Betrachtungswinkel. Diese Methode wird schon seit Jahrzehnten eingesetzt.



Bild 4: Eine einfache Methode zum Betrachten dieses herkömmlichen Stereogrammes: Trennen Sie die Bilder durch ein Blatt Papier visuell voneinander ab (Bild 5).




Bild 5

Ihre Augen haben nun keine Möglichkeit mehr, die selbe Fläche auf dem Bild anzupeilen. Sofort machen sie sich auf die Suche nach gleichen Punkten und werden in der Ähnlichkeit der beiden Bilder fündig. Wenn Sie nun das Bild scharfzustellen versuchen, und dabei langsam das

Papier entfernen, ist Ihnen der 3D-Eindruck praktisch garantiert!
Da nur sehr wenige Menschen in der Lage sind, mit beiden Augen nach aussen zu schielen, ist die Bildbreite bei dieser Technik auf maximal sieben Zentimeter (ca. Augenabstand) beschränkt.





Computer-Stereogramme

Bei einem "magischen" 3D-Bild werden nun aber mehr als zwei Bilder nebeneinander gereiht. Dadurch kann die Breite des Bildes beliebig vergrössert werden. Allerdings können jetzt nicht mehr die wirklich aufgenommen Bilder verwendet werden. Man muss ein separates, sich wiederholendes Muster wählen, welches dazu dient, dem Gehirn immer zwei ähnliche Bilder zu liefern. Dieses Muster muss dann auf die

Tiefeninformation "aufprojeziert" werden. Jeder kann sich leicht vorstellen, was hierbei an Rechenoperationen anfällt! Erst im 20. Jahrhundert wurde dieses Unternehmen realisierbar. Nicht nur das, es wurde sogar zum Kinderspiel. Aus einem Tiefenbild (Bild 6) und einem beliebigen Muster (Bild 7) berechnet der Computer mit der richtigen Software in wenigen Sekunden ein Stereogramm Bild 8.

Bild 6: Tiefenbild

Bild 7: Kachelmuster


Bild 8: Stereogramm



Bild 9: Hier diente eine Luftaufnahme von Montreal als Kachelmuster:



Bild 10: Ein Stereogramm für Fortgeschrittene:



Bild 11: Und hier mein persönliches Lieblings-Stereogramm: